Osteuropäische Länder zerstören sowjetische Monumente oder gestalten sie um. Damit entledigen sie sich Symbolen des russischen Imperialismus. Zeit, dass Deutschland dasselbe tut.

Die Mutter-Heimat-Statue in Kyiv, die seit 1981 von einem Schild mit sowjetischem Hammer und Sichel geziert wurde, hat nun eine entscheidende Veränderung erlebt. Die Ukrainer haben dieses Zeichen abgenommen und ersetzen es durch ihr nationales Emblem, den Trysub. Mit Blickrichtung nach Moskau sendet die Statue nun eine deutliche Botschaft: “Wir sind souverän und wollen nichts mit sowjetischer oder russischer Barbarei zu tun haben.” Bemerkenswert stumm bleibt die Debatte über sowjetische Denkmäler in Deutschland, besonders nach der Invasion der Ukraine.

In den letzten Jahren haben osteuropäische Staaten deutliche Schritte unternommen, um sich von ihrer sowjetischen Vergangenheit zu distanzieren. Beispiele hierfür sind Estland, das 2007 ein sowjetisches Kriegsdenkmal aus dem Stadtzentrum Tallinns entfernte, oder Polen, wo seit 2015 dutzende sowjetische Denkmäler abgebaut wurden. Diese Länder haben die Gräueltaten der Roten Armee aus nächster Nähe erlebt. Während in Deutschland häufig Unwissenheit über die Brutalität des sowjetischen Regimes herrscht, ist es in Osteuropa ein prägender Teil des kollektiven Gedächtnisses.

Diese sowjetischen Monumente waren nie unparteiische Denkmäler der Geschichte, sondern vielmehr ein lebendiger Ausdruck des russischen Imperialismus. Die Mutter-Heimat-Statue, die nach Moskau schaut, ist dafür ein klares Symbol. Während der gesamten Existenz der Sowjetunion war Russland die dominierende Republik, die ihre Macht über die anderen Sowjetrepubliken ausübte. Der Holodomor, bei dem Millionen von Ukrainern von den sowjetischen Behörden in den Hungertod getrieben wurden, ist ein grauenvolles Beispiel für diese Unterdrückung. Dieser russische Imperialismus hat eine Geschichte, die über vier Jahrhunderte zurückreicht, und er hat während der Sowjetzeit nicht pausiert.

Auch in Deutschland stehen noch über ein Dutzend sowjetische Ehrenmäler. Viele glauben naiverweise, diese seien ein Tribut an die sowjetischen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Doch die Ereignisse im Treptower Park am 9. Mai, bei denen prorussische Slogans skandiert und ukrainische Demonstranten angegriffen wurden, beweisen das Gegenteil. Aus der ursprünglichen Botschaft “Nie wieder Krieg” wurde der aggressive Aufruf “Wir können es wiederholen”. Es ist offensichtlich, dass Russland diese Denkmäler nutzt, um seine imperialistische Propaganda zu verbreiten.

Es gibt Argumente, die sich auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 berufen, in dem Deutschland zusagte, die sowjetischen Ehrenmäler zu pflegen. Aber Russland hat mit der Invasion der Ukraine klar gezeigt, dass Verträge mit ihm häufig nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Diese sowjetischen Monumente sind keine Orte, die den Opfern aller Sowjetrepubliken gedenken. Vielmehr werden sie zweckentfremdet und dienen eher dem Gedenken an eine dominante russische Erzählung.

Viele Deutsche sind sich nicht bewusst, welche schreckliche Rolle die Rote Armee in Osteuropa gespielt hat. Eine Umgestaltung der Denkmäler wäre ein Symbol gegen den russischen Imperialismus und ein Zeichen der Solidarität mit Ländern, die unter sowjetischer Herrschaft gelitten haben. Auch wäre es ein Zeichen unserer eigenen Unabhängigkeit und der Ablehnung russischer Propaganda. Was könnte mit diesen Denkmälern geschehen? Es gibt viele Möglichkeiten, was mit den Denkmälern passieren soll. Was wäre ein schönerer Sieg über Symbole einer kleptokratischen Planwirtschaft als eine privatwirtschaftliche Bebauung der gigantischen Areale der Denkmäler mit Wohnungen, die den Berliner Wohnungsmarkt entlasten? Einige der Statuen könnten in Museen umgesiedelt werden, andere eingeschmolzen und zur Schaffung von Kinderspielplätzen in Butscha verwendet werden. Eines ist sicher: Eine freie Gesellschaft wie unsere wird kreative Lösungen für sie finden.

Felix Hosse ist ein deutscher Unternehmensberater und Fellow bei Young Voices Europe. Er ist Gründer des EGO-Instituts, einer Denkfabrik, die die Ideen der Freiheit in Berlin und Deutschland vorantreibt. Mit seinem Institut war er an mehreren Hilfslieferungen in die Ukraine beteiligt.

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